{"id":2809,"date":"2022-02-08T11:11:25","date_gmt":"2022-02-08T11:11:25","guid":{"rendered":"http:\/\/whiteroseproject.seh.ox.ac.uk\/?page_id=2809"},"modified":"2022-02-08T11:11:25","modified_gmt":"2022-02-08T11:11:25","slug":"the-first-leaflet","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/whiteroseproject.seh.ox.ac.uk\/index.php\/the-first-leaflet\/","title":{"rendered":"The First Leaflet"},"content":{"rendered":"\n<p>This is the first leaflet the White Rose produced in June 1942.&nbsp;There are quotes from works by <a href=\"https:\/\/sites.google.com\/site\/germanliterature\/18th-century\/goethe\">Johann Wolfgang von Goethe<\/a> and <a href=\"https:\/\/sites.google.com\/site\/germanliterature\/18th-century\/schiller\">Friedrich Schiller<\/a>. <\/p>\n\n\n\n<p>Flugbl\u00e4tter der Wei\u00dfen Rose I<\/p>\n\n\n\n<p>Nichts ist eines Kulturvolkes unw\u00fcrdiger, als sich ohne Widerstand von einer verantwortungslosen und dunklen Trieben ergebenen Herrscherclique \u201eregieren\u201c zu lassen. Ist es nicht so, da\u00df sich jeder ehrliche Deutsche heute seiner Regierung sch\u00e4mt, und wer von uns ahnt das Ausma\u00df der Schmach, die \u00fcber uns und unsere Kinder kommen wird, wenn einst der Schleier von unseren Augen gefallen ist und die grauenvollsten und jegliches Ma\u00df unendlich \u00fcberschreitenden Verbrechen ans Tageslicht treten? Wenn das deutsche Volk schon so in seinem tiefsten Wesen \u00adkorrumpiert und zerfallen ist, da\u00df es ohne eine Hand zu regen, im leichtsinnigen Vertrauen auf eine fragw\u00fcrdige Gesetzm\u00e4\u00dfigkeit der Geschichte, das H\u00f6chste, das ein Mensch besitzt, und das ihn\u202f\u00fcber jede andere Kreatur erh\u00f6ht, n\u00e4mlich den freien Willen, preisgibt, die Freiheit des Menschen preisgibt, selbst mit einzugreifen in das Rad der Geschichte und es seiner vern\u00fcnftigen Entscheidung unterzuordnen, wenn die Deutschen so jeder Individualit\u00e4t bar, schon so sehr zur geistlosen und feigen Masse geworden sind, dann, ja dann verdienen sie den Untergang.<\/p>\n\n\n\n<p>Goethe spricht von den Deutschen als einem tragischen Volke, gleich dem der Juden und \u00adGriechen, aber heute hat es eher den Anschein, als sei es eine seichte, willenlose Herde von Mit\u00adl\u00e4ufern, denen das Mark aus dem Innersten gesogen und nun ihres Kernes beraubt, bereit sind, sich in den Untergang hetzen zu lassen. Es\u202fscheint so \u2013 aber es ist nicht so; vielmehr hat man in langsamer, tr\u00fcgerischer, systematischer Vergewaltigung jeden einzelnen in ein geistiges Gef\u00e4ngnis gesteckt, und erst, als er darin gefesselt lag, wurde er sich dieses Verh\u00e4ngnisses bewu\u00dft. Wenige nur erkannten das drohende Verderben, und der Lohn f\u00fcr ihr heroisches \u00adMahnen war der Tod. \u00dcber das Schicksal dieser Menschen wird noch zu reden sein.<\/p>\n\n\n\n<p>Wenn jeder wartet, bis der Andere anf\u00e4ngt, werden die Boten der r\u00e4chenden Nemesis unaufhaltsam n\u00e4her und n\u00e4her r\u00fccken, dann wird auch das letzte Opfer sinnlos in den Rachen des un\u00aders\u00e4ttlichen D\u00e4mons geworfen sein. Daher mu\u00df jeder einzelne seiner Verantwortung als Mitglied der christlichen und abendl\u00e4ndischen Kultur bewu\u00dft in dieser letzten Stunde sich wehren so viel er kann, arbeiten wider die Geisel der Menschheit, wider den Faschismus und jedes ihm \u00e4hnliche System des absoluten Staates. \u00adLeistet passiven Widerstand \u2013 Widerstand \u2013 wo immer ihr auch seid, verhindert das Weiterlaufen dieser atheistischen Kriegsmaschine, ehe es zu sp\u00e4t ist, ehe die letzten St\u00e4dte ein Tr\u00fcmmerhaufen sind, gleich K\u00f6ln, und ehe die letzte Jugend des Volkes irgendwo f\u00fcr die Hybris eines Untermenschen verblutet ist. Verge\u00dft nicht, da\u00df ein jedes Volk diejenige Regierung verdient, die es ertr\u00e4gt!<\/p>\n\n\n\n<p>Aus Friedrich Schiller, ,,Die Gesetzgebung des Lykurgus und Solon\u201c:<\/p>\n\n\n\n<p><br>\u201e\u2026 Gegen seinen eigenen Zweck gehalten, ist die Gesetzgebung des Lykurgus ein Meisterst\u00fcck der Staats- und Menschenkunde. Er wollte einen m\u00e4ch\u00adtigen, in sich selbst gegr\u00fcndeten, unzerst\u00f6rbaren Staat; politische St\u00e4rke und Dauerhaftigkeit waren das Ziel, wonach er strebte, und dieses Ziel hat er so weit erreicht, als unter seinen Umst\u00e4nden m\u00f6glich war. Aber h\u00e4lt man den Zweck, welchen Lykurgus sich vorsetzte, gegen den Zweck der Menschheit, so mu\u00df eine tiefe Mi\u00dfbilligung an die Stelle der Bewunderung treten, die uns der erste, fl\u00fcchtige Blick abgewonnen hat. Alles darf dem Besten des Staates zum Opfer gebracht werden, nur dasjenige nicht, dem der Staat selbst nur als ein Mittel dient. Der Staat selbst ist niemals Zweck, er ist nur wichtig als eine Bedingung, unter welcher der Zweck der Menschheit erf\u00fcllt werden kann, und dieser Zweck der Menschheit ist kein anderer, als Ausbildung aller Kr\u00e4fte des Menschen, Fortschreitung. Hindert eine Staatsverfassung, da\u00df alle Kr\u00e4fte, die im Menschen liegen, sich entwickeln; hindert sie die Fortschreitung des Geistes, so ist sie verwerflich und sch\u00e4dlich, sie mag \u00fcbrigens noch so durchdacht und in ihrer Art noch so vollkommen sein. Ihre Dauerhaftigkeit selbst gereicht ihr alsdann viel mehr zum Vorwurf, als zum Ruhme \u2013 sie ist dann nur ein verl\u00e4ngertes \u00dcbel; je l\u00e4nger sie Bestand hat, umso sch\u00e4dlicher ist sie.<\/p>\n\n\n\n<p>\u2026 Auf Unkosten aller sittlichen Gef\u00fchle wurde das politische Verdienst errungen und die F\u00e4higkeit dazu ausgebildet. In Sparta gab es keine eheliche Liebe, keine Mutterliebe, keine kindliche Liebe, keine Freundschaft \u2013 es gab nichts als B\u00fcrger, nichts als b\u00fcrgerliche Tugend.<\/p>\n\n\n\n<p>\u2026 Ein Staatsgesetz machte den Spartanern die Unmenschlichkeit gegen ihre Sklaven zur Pflicht; in diesen ungl\u00fccklichen Schlachtopfern wurde die Menschheit beschimpft und mi\u00dfhandelt. In dem spartanischen Gesetzbuche selbst wurde der gef\u00e4hrliche Grundsatz gepredigt, Menschen als Mittel und nicht als Zwecke zu betrachten \u2013 dadurch wurden die Grundfesten des Naturrechts und der Sittlichkeit gesetzm\u00e4\u00dfig eingerissen.<\/p>\n\n\n\n<p>\u2026 Welch sch\u00f6neres Schauspiel gibt der rauhe Krieger Cajus Marcius in seinem Lager vor Rom, der Rache und Sieg aufopfert, weil er die Tr\u00e4nen der Mutter nicht flie\u00dfen sehen kann!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201e\u2026 Der Staat (des Lykurgus) k\u00f6nnte nur unter der einzigen Bedingung fortdauern, wenn der Geist des Volks stillst\u00fcnde; er konnte sich also nur dadurch erhalten, da\u00df er den h\u00f6chsten und einzigen Zweck eines Staates verfehlte.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Aus Goethe \u201eDes Epimenides Erwachen\u201c, zweiter Aufzug, vierter Auftritt:<\/p>\n\n\n\n<p>Genien<br>Doch was dem Abgrund k\u00fchn entstiegen,<br>Kann durch ein ehernes Geschick<br>Den halben Weltkreis \u00fcbersiegen,<br>Zum Abgrund mu\u00df es doch zur\u00fcck.<br>Schon droht ein ungeheures Bangen,<br>Vergebens wird er widerstehn!<br>Und alle, die noch an ihn hangen,<br>Sie m\u00fcssen mit zu Grunde gehn.<\/p>\n\n\n\n<p>Hoffnung<br>Nun begegn\u2019 ich meinen Braven,<br>Die sich in der Nacht versammelt<br>Um zu schweigen, nicht zu schlafen,<br>Und das sch\u00f6ne Wort der Freiheit<br>Wird gelispelt und gestammelt,<br>Bis in ungewohnter Neuheit<br>Wir an unsrer Tempel Stufen<\/p>\n\n\n\n<p>Wieder neu entz\u00fcckte es rufen:<br>(Mit \u00dcberzeugung laut:)<br>Freiheit!<br>(gem\u00e4\u00dfigter)<br>Freiheit!<br>(von allen Seiten und Enden Echo:)<br>Freiheit!<\/p>\n\n\n\n<p>Wir bitten Sie, dieses Blatt mit m\u00f6glichst vielen Durchschl\u00e4gen abzuschreiben und weiter zu verteilen!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>This is the first leaflet the White Rose produced in June 1942.&nbsp;There are quotes from works by Johann Wolfgang von Goethe and Friedrich Schiller. 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