{"id":2814,"date":"2022-02-08T11:22:46","date_gmt":"2022-02-08T11:22:46","guid":{"rendered":"http:\/\/whiteroseproject.seh.ox.ac.uk\/?page_id=2814"},"modified":"2022-02-08T11:23:36","modified_gmt":"2022-02-08T11:23:36","slug":"the-third-leaflet","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/whiteroseproject.seh.ox.ac.uk\/index.php\/the-third-leaflet\/","title":{"rendered":"The Third Leaflet"},"content":{"rendered":"\n<p>This is the third leaflet written and distributed by the White Rose between 27 June and 12 July 1942.\u00a0It includes a long quotation from <a href=\"https:\/\/iep.utm.edu\/aris-pol\/\">Aristotle&#8217;s <em>Politics<\/em><\/a>. <\/p>\n\n\n\n<p>Flugbl\u00e4tter der Wei\u00dfen Rose III<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eSalus publica suprema lex\u201c.<br>Alle idealen Staatsformen sind Utopien. Ein Staat kann nicht rein theoretisch konstruiert werden, sondern er mu\u00df ebenso wachsen, reifen, wie der einzelne Mensch. Aber es ist nicht zu vergessen, da\u00df am Anfang einer jeden Kultur die Vorform des Staates vorhanden war. Die Familie ist so alt, wie die Menschen selbst und aus diesem anf\u00e4nglichen Zusammensein hat sich der vernunft\u00adbegabte Mensch einen Staat geschaffen, dessen Grund die Gerechtigkeit und dessen h\u00f6chstes Gesetz das Wohl aller sein soll. Der Staat soll eine Analogie der g\u00f6ttlichen Ordnung darstellen, und die h\u00f6chste aller Utopien, die civitas Dei ist das Vorbild, dem er sich letzten Endes n\u00e4hern soll. Wir wollen hier nicht urteilen \u00fcber die verschiedenen m\u00f6glichen Staatsformen, die Demokratie, die konstitutionelle Monarchie, das K\u00f6nigtum usw. Nur eines will eindeutig und klar herausgehoben werden: jeder einzelne Mensch hat einen Anspruch auf einen brauchbaren und gerechten Staat, der die Freiheit des einzelnen als auch das Wohl der Gesamtheit, sichert. Denn der Mensch soll nach Gottes Willen frei und unabh\u00e4ngig im Zusammenleben und Zusammenwirken der staatlichen Gemeinschaft sein nat\u00fcrliches Ziel, sein irdisches Gl\u00fcck in Selbst\u00e4ndigkeit und Selbstt\u00e4tigkeit zu erreichen suchen.<\/p>\n\n\n\n<p>Unser heutiger \u201eStaat\u201c aber ist die Diktatur des B\u00f6sen. \u201eDas wissen wir schon lange\u201c, h\u00f6re ich Dich einwenden, \u201eund wir haben es nicht n\u00f6tig, da\u00df uns dies hier noch einmal vorgehalten wird\u201c. Aber, frage ich Dich, wenn ihr das wi\u00dft, warum regt ihr euch nicht, warum duldet ihr, da\u00df diese Gewalthaber Schritt f\u00fcr Schritt offen und im Verborgenen eine Dom\u00e4ne eures Rechtes nach der anderen rauben, bis eines Tages nichts, aber auch gar nichts \u00fcbrigbleiben wird, als ein mechanisiertes Staatsgetriebe, kommandiert von Verbrechern und S\u00e4ufern? Ist euer Geist schon so sehr der Vergewaltigung unterlegen, da\u00df ihr verge\u00dft, da\u00df es nicht nur euer Recht, sondern eure&nbsp;<em>sittliche Pflicht<\/em>&nbsp;ist, dieses System zu beseitigen? Wenn aber ein Mensch nicht mehr die Kraft aufbringt, sein Recht zu fordern, dann mu\u00df er mit absoluter Notwendigkeit untergehen. Wir w\u00fcrden es verdienen, in alle Welt verstreut zu werden, wie der Staub vor dem Winde, wenn wir uns in dieser zw\u00f6lften Stunde nicht aufrafften und endlich den Mut aufbr\u00e4chten, der uns seither gefehlt hat. Verbergt nicht eure Feigheit unter dem \u00adMantel der Klugheit! Denn mit jedem Tag, da ihr noch z\u00f6gert, da ihr dieser Ausgeburt der H\u00f6lle nicht widersteht, w\u00e4chst eure Schuld gleich einer parabolischen Kurve h\u00f6her und immer h\u00f6her.<\/p>\n\n\n\n<p>Viele, vielleicht die meisten Leser dieser Bl\u00e4tter sind sich dar\u00fcber nicht klar, wie sie einen Widerstand aus\u00ad\u00fcben sollen. Sie sehen keine M\u00f6glichkeiten. Wir wollen versuchen, ihnen zu zeigen, da\u00df ein jeder in der Lage ist, etwas beizutragen zum Sturz dieses Systems. Nicht durch individualistische Gegnerschaft, in der Art verbitterter Einsiedler, wird es m\u00f6glich werden, den Boden f\u00fcr einen Sturz dieser \u201eRegierung\u201c reif zu machen oder gar den Umsturz m\u00f6glichst bald herbeizuf\u00fchren, sondern nur durch die Zusammenarbeit vieler \u00fcberzeugter, tatkr\u00e4ftiger Menschen, Menschen, die sich einig sind, mit welchen Mitteln sie\u202fihr Ziel erreichen k\u00f6nnen. Wir haben keine \u00adreiche Auswahl an solchen Mitteln, nur ein \u00adeinziges steht uns zur Verf\u00fcgung \u2013 der&nbsp;<em>passive Widerstand<\/em>.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Sinn und das Ziel des passiven Widerstandes ist, den Nationalsozialismus zu Fall zu bringen und in diesem Kampf ist vor keinem Weg, vor keiner Tat zur\u00fcckzuschrecken, m\u00f6gen sie auf Gebieten liegen, auf welchen sie auch wollen. An allen Stellen mu\u00df der National\u00adsozialismus angegriffen werden, an denen er nur angreifbar ist. Ein Ende mu\u00df diesem Unstaat m\u00f6glichst bald bereitet werden \u2013 ein Sieg des faschistischen Deutschland in diesem Kriege h\u00e4tte unabsehbare, f\u00fcrchterliche Folgen. Nicht der milit\u00e4rische Sieg \u00fcber den Bolschewismus darf die erste Sorge f\u00fcr\u202fjeden Deutschen sein, sondern die Niederlage der Nationalsozialisten. Dies mu\u00df&nbsp;<em>unbedingt<\/em>an\u202ferster Stelle stehn. Die gr\u00f6\u00dfere Notwendigkeit dieser letzten Forderung werden wir Ihnen in einem unserer n\u00e4chsten Bl\u00e4tter beweisen.<\/p>\n\n\n\n<p>Und jetzt mu\u00df sich ein jeder entschiedene Gegner des Nationalsozialismus die Frage vor\u00adlegen: Wie kann er gegen den gegenw\u00e4rtigen \u201eStaat\u201c am wirksamsten ank\u00e4mpfen, wie ihm die empfindlichsten Schl\u00e4ge beibringen? Durch den passiven Widerstand\u202f\u2013 zweifellos. Es ist klar, da\u00df wir unm\u00f6glich f\u00fcr jeden einzelnen Richtlinien f\u00fcr sein Verhalten geben k\u00f6nnen, nur allgemein an\u00addeuten k\u00f6nnen wir, den Weg zur Verwirk\u00adlichung mu\u00df jeder selber finden.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Sabotage<\/em>&nbsp;in r\u00fcstungs- und kriegswichtigen Betrieben,&nbsp;<em>Sabotage<\/em>&nbsp;in allen Versammlungen, Kundgebungen, Festlichkeiten, Organisationen, die durch die nat.soz. Partei ins Leben gerufen werden. Verhinderung des reibungslosen Ablaufs der Kriegsmaschine (einer Maschine, die nur f\u00fcr einen Krieg arbeitet, der allein um die Rettung und Erhaltung der nat.soz. Partei und ihrer Diktatur geht).&nbsp;<em>Sabotage<\/em>&nbsp;auf allen wissenschaftlichen und geistigen Gebieten, die f\u00fcr eine Fortf\u00fchrung des gegenw\u00e4rtigen Krieges t\u00e4tig sind\u202f\u2013 sei es in Universit\u00e4ten, Hochschulen, Laboratorien, Forschungsanstalten, technischen B\u00fcros.&nbsp;<em>Sabotage<\/em>&nbsp;in allen Veranstaltungen kultureller Art, die das \u201eAnsehen\u201c der Faschisten im Volk heben k\u00f6nnten.&nbsp;<em>Sabotage<\/em>&nbsp;in allen Zweigen der bildenden K\u00fcnste, die nur im geringsten im Zusammenhang mit dem Nationalsozialismus stehen und ihm dienen.&nbsp;<em>Sabotage<\/em>&nbsp;in allem Schrifttum, allen Zeitungen, die im Solde der \u201eRegierung\u201d stehen, f\u00fcr ihre Ideen, f\u00fcr die Verbreitung der braunen L\u00fcge, k\u00e4mpfen. Opfert nicht einen Pfennig bei Stra\u00dfensammlungen (auch wenn sie unter dem Deckmantel wohlt\u00e4tiger Zwecke durchgef\u00fchrt werden). Denn dies ist nur eine Tarnung. In Wirklichkeit kommt das Ergebnis weder dem Roten Kreuz noch den Notleidenden zugute. Die Regierung braucht dies Geld nicht, ist auf diese Sammlungen finanziell nicht angewiesen \u2013 die Druck\u00admaschinen laufen ja ununterbrochen und stellen jede beliebige Menge von Papiergeld her. Das Volk mu\u00df aber dauernd in Spannung gehalten werden, nie darf der Druck der Kandare nach\u00adlassen! Gebt nichts f\u00fcr die Metall-, Spinnstoff- und andere Sammlungen! Sucht alle Bekannte auch aus den unteren Volksschichten, von der Sinn\u00adlosigkeit einer Fortf\u00fch\u00adrung, von der Aussichtslosigkeit dieses Krieges, von der geistigen und wirtschaftlichen Ver\u00adsklavung, von der Zerst\u00f6rung aller sittlichen und religi\u00f6sen Werte durch den Nationalsozialismus zu \u00fcber\u00adzeugen und zum&nbsp;<em>\u00adpassiven Widerstand<\/em>zu\u202fveranlassen!<\/p>\n\n\n\n<p>Aristoteles \u201e\u00dcber die Politik\u201d: \u201e\u2026Ferner geh\u00f6rt es (zum\u202fWesen der Tyrannis) dahin zu streben, da\u00df ja nichts verborgen bleibe, was irgend ein Untertan spricht oder tut, sondern \u00fcberall Sp\u00e4her ihn belauschen \u2026&nbsp;\u00adferner alle Welt miteinander zu verhetzen und Freunde mit Freunden zu verfeinden und das Volk mit den Vornehmen und die Reichen unter sich.&nbsp;Sodann geh\u00f6rt es zu solchen tyrannischen Ma\u00dfregeln, die Untertanen arm zu machen, damit die Leibwache besoldet werden kann, und sie, mit der Sorge um ihren t\u00e4glichen Erwerb besch\u00e4ftigt, keine Zeit und Mu\u00dfe haben, Verschw\u00f6rungen anzustiften \u2026 Ferner aber auch solche hohe Einkommensteuern, wie die in Syrakus auferlegten, denn unter Dionysios hatten die B\u00fcrger dieses Staates in f\u00fcnf Jahren gl\u00fccklich ihr ganzes Verm\u00f6gen in Steuern ausgegeben. Und auch best\u00e4ndig Kriege zu erregen ist der Tyrann geneigt \u2026\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Bitte vervielf\u00e4ltigen und weitergeben!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>This is the third leaflet written and distributed by the White Rose between 27 June and 12 July 1942.\u00a0It includes a long quotation from Aristotle&#8217;s Politics. Flugbl\u00e4tter der Wei\u00dfen Rose III \u201eSalus publica suprema lex\u201c.Alle idealen Staatsformen sind Utopien. 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