{"id":2818,"date":"2022-02-08T11:24:52","date_gmt":"2022-02-08T11:24:52","guid":{"rendered":"http:\/\/whiteroseproject.seh.ox.ac.uk\/?page_id=2818"},"modified":"2022-02-08T11:24:52","modified_gmt":"2022-02-08T11:24:52","slug":"the-fourth-leaflet","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/whiteroseproject.seh.ox.ac.uk\/index.php\/the-fourth-leaflet\/","title":{"rendered":"The Fourth Leaflet"},"content":{"rendered":"\n<p>This is the fourth leaflet written and distributed by the White Rose between 27 June and 12 July 1942. It contains one of the most widely recognised phrases by the resistance group: &#8216;Wir schweigen nicht, wir sind Euer b\u00f6ses Gewissen, die Wei\u00dfe Rose l\u00e4\u00dft Euch keine Ruhe!&#8217; (We will not be silent. We are your bad conscience. The White Rose will never leave you in peace!)<\/p>\n\n\n\n<p>Flugbl\u00e4tter der Wei\u00dfen Rose IV<\/p>\n\n\n\n<p>Es ist eine alte Weisheit, die man Kindern immer wieder aufs neue predigt, da\u00df wer nicht h\u00f6ren will, f\u00fchlen mu\u00df. Ein kluges Kind wird sich aber die \u00adFinger nur einmal am hei\u00dfen Ofen verbrennen.<\/p>\n\n\n\n<p>In den vergangenen Wochen hatte Hitler sowohl in Afrika, als auch in Ru\u00dfland Erfolge zu verzeichnen. Die Folge davon war, da\u00df der Optimismus auf der einen, die Best\u00fcrzung und der Pessimismus auf der anderen Seite des Volkes mit einer der deutschen Tr\u00e4gheit unvergleichlichen Schnelligkeit anstieg. Allenthalben h\u00f6rte man unter den Gegnern Hitlers, also unter dem besseren Teil des Volkes, Klagerufe, Worte der Ent\u00adt\u00e4uschung und der Ent\u00admutigung, die nicht selten in dem Ausruf \u00adendigten: \u201eSollte nun Hitler doch\u2026?\u201d<\/p>\n\n\n\n<p>Indessen ist der deutsche Angriff auf \u00c4gypten zum Stillstand gekommen, Rommel mu\u00df in einer gef\u00e4hrlich exponierten Lage verharren \u2013 aber noch geht der Vormarsch im Osten weiter. Dieser schein\u00adbare Erfolg ist unter den grauenhaftesten Opfern erkauft worden, soda\u00df er schon nicht mehr als vorteilhaft bezeichnet werden kann. Wir warnen daher vor&nbsp;<em>jedem<\/em>&nbsp;Optimismus.<\/p>\n\n\n\n<p>Wer hat die Toten gez\u00e4hlt, Hitler oder Goebbels \u2013 wohl keiner von beiden. T\u00e4glich fallen in Ru\u00dfland Tausende. Es ist die Zeit der Ernte, und der Schnitter f\u00e4hrt mit vollem Zug in die reife Saat. Die Trauer kehrt ein in die H\u00fctten der Heimat, und niemand ist da, der die \u00adTr\u00e4nen der M\u00fctter trocknet. Hitler aber bel\u00fcgt die, deren teuerstes Gut er geraubt und in den sinnlosen Tod getrieben hat.<\/p>\n\n\n\n<p>Jedes Wort, das aus Hitlers Munde kommt, ist L\u00fcge: Wenn er Frieden sagt, meint er den Krieg, und wenn er in frevelhaftester Weise den Namen des Allm\u00e4chtigen nennt, meint er die Macht des B\u00f6sen, den gefallenen Engel, den Satan. Sein Mund ist der stinkende Rachen der H\u00f6lle und seine Macht ist im Grunde verworfen. Wohl mu\u00df man mit rationalen Mitteln den Kampf wider den nationalsozialistischen Terrorstaat f\u00fchren; wer aber heute noch an der realen Existenz der d\u00e4monischen M\u00e4chte zweifelt, hat den metaphysischen Hintergrund dieses Krieges bei weitem nicht begriffen. Hinter dem konkreten, hinter dem sinnlich Wahrnehmbaren, hinter allen sachlichen logischen \u00dcberlegungen, steht das Irrationale, d.\u202fi. der Kampf wider den D\u00e4mon, wider den Boten des Antichrists. \u00dcberall und zu allen Zeiten haben die D\u00e4monen im Dunkeln gelauert auf die Stunde, da der Mensch schwach wird, da er seine ihm von Gott auf Freiheit gegr\u00fcndete Stellung im ordo eigenm\u00e4chtig verl\u00e4\u00dft, da er dem Druck des B\u00f6sen nachgibt, sich von den M\u00e4chten h\u00f6herer Ordnung losl\u00f6st und so, nachdem er den ersten Schritt freiwillig getan, zum zweiten und dritten und immer mehr getrieben wird mit rasend steigender Geschwindigkeit \u2013 \u00fcberall und zu allen Zeiten der h\u00f6chsten Not sind Menschen aufgestanden, Propheten, Heilige, die ihre Freiheit gewahrt hatten, die auf den Einzigen Gott hinwiesen und mit seiner Hilfe das Volk zur Umkehr mahnten. Wohl ist der Mensch frei, aber er ist wehrlos wider das B\u00f6se ohne den wahren Gott, er ist wie ein Schiff ohne Ruder, dem Sturme preisgegeben, wie ein S\u00e4ugling ohne Mutter, wie eine Wolke, die sich aufl\u00f6st.<\/p>\n\n\n\n<p>Gibt es, so frage ich Dich, der Du ein Christ bist, gibt es in diesem Ringen um die Erhaltung Deiner h\u00f6chsten G\u00fcter ein Z\u00f6gern, ein Spiel mit Intrigen, ein Hinausschieben der Entscheidung in der Hoffnung, da\u00df ein anderer die Waffen erhebt, um Dich zu verteidigen? Hat Dir nicht Gott selbst die Kraft und den Mut gegeben zu k\u00e4mpfen? Wir m\u00fcssen das B\u00f6se dort angreifen, wo es am m\u00e4chtigsten ist, und es ist am m\u00e4chtigsten in der Macht Hitlers.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201elch wandte mich und sah an alles Unrecht, das geschah unter der Sonne; und siehe, da waren Tr\u00e4nen derer, so Unrecht litten und hatten keinen Tr\u00f6ster; und die ihnen Unrecht taten, waren zu m\u00e4chtig, da\u00df sie keinen Tr\u00f6ster haben konnten. Da\u202flobte ich die Toten, die schon gestorben waren, mehr denn die Lebendigen, die noch das Leben hatten\u2026\u201c&nbsp;(Spr\u00fcche)<\/p>\n\n\n\n<p>Novalis: \u201eWahrhafte Anarchie ist das Zeugungselement der Religion. Aus der Vernichtung alles Po\u00adsitiven hebt sie ihr glorreiches Haupt als neue Weltstifterin empor\u2026 Wenn Europa wieder erwachen wollte, wenn ein Staat der Staaten eine politische Wissenschaftslehre uns bevorst\u00e4nde!&nbsp;Sollte etwa die Hierarchie\u2026 das Prinzip des Staatenvereins sein? \u2026Es wird solange Blut \u00fcber Europa str\u00f6men, bis die Nationen ihren f\u00fcrchterlichen Wahnsinn gewahr werden, der sie im Kreis herumtreibt, und von heiliger Musik getroffen und bes\u00e4nftigt, zu ehemaligen Alt\u00e4ren in bunter Vermischung treten, \u00adWer\u00adke des Friedens vornehmen und ein gro\u00dfes Friedensfest auf den rauchenden Walst\u00e4tten mit hei\u00dfen Tr\u00e4nen gefeiert wird.&nbsp;Nur die Religion kann Europa wieder aufwecken und das V\u00f6lkerrecht sichern und die Christenheit mit neuer Herrlichkeit sichtbar auf Erden in ihr friedenstiftendes Amt installieren.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Wir weisen eindr\u00fccklich darauf hin, da\u00df die Wei\u00dfe Rose nicht im Solde einer ausl\u00e4ndischen Macht steht. Obgleich wir wissen, da\u00df die nationalsozialistische Macht milit\u00e4risch gebrochen werden mu\u00df, suchen wir eine Erneuerung des schwerverwundeten deutschen Geistes von innen her zu erreichen. Dieser Wiedergeburt mu\u00df aber die klare Erkenntnis aller Schuld, die das deutsche Volk auf sich geladen hat, und ein r\u00fccksichtsloser Kampf gegen Hitler und seine allzuvielen Helfershelfer, Parteimitglieder, Quislinge usw. voraus\u00adgehen. Mit aller Brutalit\u00e4t mu\u00df die Kluft zwischen dem besseren Teil des Volkes und allem, was mit dem Nationalsozialismus zusammenh\u00e4ngt, aufgerissen werden. F\u00fcr Hitler und seine Anh\u00e4nger gibt es auf dieser Erde keine Strafe, die ihren Taten gerecht w\u00e4re. Aber aus Liebe zu kommenden Generationen mu\u00df nach Beendigung des Krieges ein Exempel statuiert werden, da\u00df niemand auch nur die geringste Lust je versp\u00fcren sollte, \u00c4hn\u00adliches aufs neue zu versuchen. Verge\u00dft auch nicht die kleinen Schurken dieses Systems, merkt Euch die Namen, auf da\u00df keiner entkomme! Es soll ihnen nicht gelingen, in letzter Minute noch nach all diesen Scheu\u00dflichkeiten die Fahne zu wechseln und so zu tun, als ob nichts gewesen w\u00e4re!<\/p>\n\n\n\n<p>Zu Ihrer Beruhigung m\u00f6chten wir noch hinzuf\u00fcgen, da\u00df die Adressen der Leser der Wei\u00dfen Rose nirgendwo schriftlich niedergelegt sind. Die Adressen sind willk\u00fcrlich Adressb\u00fcchern entnommen.<\/p>\n\n\n\n<p>Wir schweigen nicht, wir sind Euer b\u00f6ses Gewissen, die Wei\u00dfe Rose l\u00e4\u00dft Euch keine Ruhe!<\/p>\n\n\n\n<p>Bitte vervielf\u00e4ltigen und weitersenden!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>This is the fourth leaflet written and distributed by the White Rose between 27 June and 12 July 1942. 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